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Süßholz - Glycyrrhiza glabra
Familie der Hülsenfrüchte - Leguminosa
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler - Papilionaceae
Glycyrrhiza glabra ist eine mannshohe Staude mit kräftigen Wurzeln und
außerordentlich langen Ausläufern, die meterweit horizontal im
Boden fortkriechen und dann neue Sprossen bilden. Der schon bei
Theophrast und Dioskurides gebräuchliche Gattungsname "Glycyrrhiza"
leitet sich von dem griechischen "glykys" = süß aufgrund
des auffallend süßen Geschmacks der Wurzel, griechisch "rhiza"
ab. Die später aufkommenden Namen, Liquiritia, Lakritzen, stellen
lediglich Umwandlungen von Glycyrrhiza dar. Mit dem aus dem lateinischen
stammenden Beiwort "glabra" - klebrig - werden die durch Drüsen
harzig klebrigen Blätter gekennzeichnet. Als Hauptlieferanten des Süßholzes
kommen vornehmlich Südrußland, Syrien, Süditalien, Sizilien, Südspanien
und Südfrankreich in Betracht. Das Süßholz gehört
zu den ältesten, schon Jahrtausende vor Christi Geburt benützten
Drogen, und zwar wurde es, wie aus einem ägyptischen Papyrus hervorgeht,
damals schon genau wie heute bei Katarrhen der Luftwege verwendet. Auch die
Lakritztäfelchen sind keine Errungenschaft der Neuzeit, denn wir begegnen
ihnen bereits zu Beginn unserer Zeitrechnung. In Deutschland erwähnt
Conrad von Megenberg im 14. Jahrhundert den Lakritzensaft, volkstümlich Bärendreck,
zum ersten Mal. Schon im 16. Jahrhundert war die durch die Benediktiner in
Bamberg eingeführte Süßholzkultur so ausgedehnt, daß sie
den ganzen Bedarf zu decken vermochte. Bei Matthiolus (1563) lesen wir: "Süssholtz
wurtzelt geweket/oder den safft im mund gehalten/biss er sanfft hinab
schleicht/lescht den durst/stillt den hunger/bekompt wol der lebern/dem hitzigen
magen/benimpt den sodt/reinigt die brust vnd lungen/macht auswerffen/lindert
die rauhe kälte vnd lufftror/erweycht die apostem vnd geschwäre.
Wirdt derhalben fruchtbarlich geben wider die heyserkeit/husten/schweren
athem/ lungensucht/vnd seitenwee. Die wurtzel in wasser gesotten vnd
getrunken/dient wider alle obgenandte gebresten/ist fütreffenlich gut zu
der verserten oder grindigen blasen/heylet allerley gebresten der nieren/item
die heisse vnd scharffe brunst des harnes/nad das tröpfflige harnen".
Verwendeter Pflanzenteil
Süßholzwurzel - Radix Liquiritiae. (Daraus wird Süßholzsaft
- Succus Liquiritiae hergestellt.)
Inhaltsstoffe
Glycyrrhizin-Säure (Glycyrrhizin), in der Droge als Kalium- und
Kalziumsalz, Flavonoide (Liquiritin, das Aglykon davon Liquiritigenin).
Eigenschaften
Glycyrrhizin ist stark schäumend (kein typischer Saponincharakter,
da nur schwach hämolysierend), wirkt auswurffördernd bei Husten,
entzündungswidrig (Kortisonähnlicher Effekt) und bei längerer
Anwendung harntreibend. Die Liquiritia-Flavonoide stellen die entkrampfende
Wirkkomponente dar.
Anwendungsgebiete
Bronchitis, Bronchialasthma bei Kindern, Geschwüre des Zwölffingerdarms
und vor allem des Magens. Hemmt Sekretionstätigkeit des Magens, ohne
Salzkonzentration und enzymatische Aktivität zu beeinflussen. In der
Volksmedizin bei Kindern: Lakritzensaft gegen Verstopfung.
Nebenwirkungen
Bei hohem Verbrauch von Glycyrrhizin-haltigen Präparaten können
Wasserstauung, Bluthochdruck, Kaliumverlust, Kopfschmerzen und leichter
Schwindel auftreten. Eine tägliche Dosis von 0,5 g Glycyrrhizin gilt als
nicht giftig.
Anmerkung
Glycyrrhizin ist 150mal süßer als Rohrzucker. Süßholzauszüge
eignen sich vorteilhaft zum Überdecken von unangenehm schmeckenden
Arzneimitteln. Häufig werden Extrakte verwendet, denen Glycyrrhizin
entzogen wurde. Damit fällt die entzündungswidrige Eigenschaft weg,
so daß nur noch mit der entkrampfenden Wirkung der Flavonoidfraktion zu
rechnen ist. Beim Eindicken des Süßholzextraktes entsteht aus dem
unwirksamen, ursprünglichen Liquiritin durch Hydrolyse das wirksame
Liquiritigenin. Mit modernen schonenden Methoden der Vakuumeinengung gewonnene
Extrakte zeigen eine geringere entkrampfende Wirkung als die mit einfacheren
Mitteln (Einengen über offenem Feuer) hergestellten Succus-Liquiritiae-Präparate.
Süßholz wird in der Textil-, Leder-, und chemischen Industrie,
Kosmetik, Farbenproduktion, Likör- und Bonbonherstellung verarbeitet. Die
schaumbildende Eigenschaft macht man sich bei Feuerlöschern zunutze.
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