Beinwell - Symphytum officinale
Familie der Rauhblattgewächse - Boraginaceae

Volksname: Comfrey, Wallwurz, Wellwurz, Schmeerwurz, Schwarzwurz (nicht zu verwechseln mit der Schwarzwurzel!). Die rauhe Behaarung von Stengeln und Blättern hat der Pflanzenfamilie ihren deutschen Namen eingetragen. Der Beinwell, eine knapp halbmeterhohe, aber breit verzweigte Staude, blüht bei uns an Gräben, auf nassen Wiesen, an Wegrändern von Mai an gelblich-weiß oder violett-blau. Die Pflanzen mit violetten Blüten wurden im Mittelalter "Beinwellmännchen", die mit gelblichen Blüten "Beinwellweiblein" genannt.

Der Beinwell ist eine der wertvollsten Heilpflanzen, die wir kennen. Bereits Dioskurides (1. Jh.n.Chr.) hat sie in seinem Werk "De Materia Medica" beschrieben. Die aus dem Griechischen abgeleitete Bezeichnung Symphytum (sympho = lasse zusammenwachsen, mache wieder heil) und die früheren Benennungen "Consolida" (Hildegard von Bingen, 12.Jh.) und "solidago" (lateinisch: consolidare = befestigen) lassen die heilende Wirkung der Pflanze erkennen. Auch der deutsche Name Wallwurz (wallen = zusammenwachsen) weist darauf hin. Leonhart Fuchs schreibt über dir "krafft und würckung der Walwurtz": "Sie ist auch treffentlich gut zu allen wunden, dann sie seer heilsam ist. Ein pflaster darauß gemacht und über die frischen wunden gelegt, hefftet dieselbigen zusamen...Diese wurtzel zerstossen und übergelegt, heylet die brüch. In summa, Walwurtz ist nützlich zu allerley wunden und beinbrüchen, darumb sie bey den wundärzten in grossen ehren sol geahlten werden."

Die Kenntnisse der Alten um die heilenden Kräfte des Beinwell gerieten für längere Zeit in Vergessenheit. Erst im Jahre 1912 konnte der englische Arzt MacAlister die Wirkung der Wallwurz aufs neue bestätigen. Währenddessen wandte man eine ganz andere Wundheilmethode an: Von Larry, dem bekannten Chirurgen Napoleons, wissen wir, daß er eitrige Wunden mit Fliegenmaden behandelte.

Viel später, zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, hat der Amerikaner Robinson bei indianischen Heilern beobachtet, wie sie die gleiche Methode anwandten. Robinson fand heraus, daß Allantoin, das von niederen wirbellosen Tieren anstelle von Harnstoff oder Harnsäure ausgeschieden wird, der Heilstoff war. Es gelang, Allantoin synthetisch herzustellen, dem "natürlichen" Allantoin war es jedoch in der Wirkung unterlegen. Und so besann man sich auf zwei wundheilende Pflanzen, die diesen Stoff in größeren Mengen beinhalten: Beinwell und Sanikel.

Früher machten die Lederer und Gerber mit dem Schleim der gekochten Wurzel das Leder geschmeidig. Weber und Spinner behandelten damit hartes Material, wie das Kamelhaar, um es besser verarbeiten zu können. Aus den frischen Blättern und Blüten stellt man grünliche, gelbe und orange Färbemittel her.

In den letzten Jahren ist bei uns eine gezüchtete Beinwellart (Comfrey-Symphytum peregrinum) bekannt geworden. Der Comfrey enthält etwas mehr Allantoin und wird größer als der Beinwell. Seine Blätter und Stengel sind jedoch weniger borstig und es fehlt das Symphytoglossin (Futterpflanze mit hohem Eiweiß- und Vitamingehalt!)

Verwendete Pflanzenteile
Beinwellwurzel - Radix Consolidae oder Radix Symphyti. Beinwellblätter - Folia Symphyti.

Inhaltsstoffe
0,6 bis 0,8 Prozent Allantoin (Purinderivat), saurer Schleim, Gerbstoffe, Cholin, Alkaloide (Symphytocynoglossin, Consolidin, Consolicin).

Eigenschaften
Allantoin: erzeugt lokale Leukozytose, wodurch Eitererreger vernichtet werden; fördert Kallusbildung.
Schleim: lokal entzündungshemmend.
Gerbstoffe: lokal zusammenziehend und schwach desinfizierend. Symphytocynoglossin, Consolidin, Consolicin: schmerzstillend.

Anwendungsgebiete
In Form von Salben und Umschlägen äußerlich bei schlecht heilenden Wunden, Unfall- und Sportverletzungen wie Prellungen, Zerrungen, Blutergüssen, alle Formen des Rheumatismus, Venenentzündungen, Thrombosen; nach Knochenbrüchen; Nervenschmerzen.

Nebenwirkungen
Bei äußerlicher Anwendung keine bekannt.

Dolmagin forte Boehringer Größe 50 Stck (N3) 27,50 DM
Fichtolin Schering Größe 25 Stck(N2) 16,45 DM
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